© Marco Ferroni
Die Region GARFAGNANA, liegt im Nordosten der Toskana, begrenzt durch die küstenseitig gelegene Gebirgskette der Apuanischen Alpen (rückseitig befinden sich die Marmorbrüche von Carrrara) und dem Apenningebirge. Sie ist eine Art "toskanisches Allgäu" und so vor allem für den Aktiv-Urlauber zum Wandern, zum Reiten, zum Kajak- oder Mountainbikefahren ein Geheimtipp. Zahlreiche Tropfsteinhöhlen (z.Bsp. GROTTA DEL VENTO) durchziehen das bis fast 2000 m hohe Gebirge der Apuanischen Alpen und der PARCO DELL'ORECCHIELLA gehört zu den bedeutendsten Naturparks der Toskana.
Im Winter bietet die Gegend um den PASSO DELLE RADICI Skilanglaufmöglichkeiten. Im Sommer findet man saftige, grüne Täler, eine gesunde Gatronomie mit hervorragender, lokaler Wurst- und Käseproduktion, im Herbst Steinpilze und das ganze Jahr über von der Bachforelle bis zu traditionellen Dinkelgerichten eine Auswahl an gastronomischen Spitzenprodukten. Einen besonderen Charme strahlt das Städtchen BARGA aus. Verwinkelte Altstadtgassen, die sich am Hügel empor, vorbei an kleinen Gaststätten und Geschäften bis zum höchsten Punkt, dem Vorplatz des Domes ziehen. Von hier aus genießt man ein wahres Alpenpanorama: die Garfagnana auf einem Tablett serviert.
Für einen Erstbesuch in diese herrliche, grüne Gebirgs- und Tallandschaft (an sehr heißen Tagen eine wahre Erholung) würde ich drei Möglichkeiten vorschlagen.
Je nach Interesse:
n die Besichtigung einer Tropfsteinhöhle
n eine Gebirgswanderung
n ein Ausflug in die Städtchen Barga und Castelnuovo
1) Die Besichtigung der Windhöhle (Grotta del Vento)
Es handelt sich um eine der zahlreichen und sehr schönen Tropfsteinhöhlen, in der vom 1. April bis 31. Oktober täglich Führungen, auch in deutscher Sprache, angeboten werden.Schon die Fahrt dorthin ist landschaftlich beeindruckend. Folgen Sie von Lucca aus der Via del Brennero (SS 12) und überqueren Sie bei Ponte a Moriano den Fluß Serchio. Auf der anderen Seite der Brücke sind schon Hinweisschilder (gelb) mit der Aufschrift "Grotta del Vento" angebracht, denen Sie bequem folgen können. Nach wenigen Kilometern lohnt sich ein kurzer Aufenthalt in Borgo a Mozzano, um einen Blick auf die "Teufelsbrücke" zu werfen ("Ponte del Diaviolo", aber auch "Ponte della Maddalena"). Eine phantastisch kühne Brückenkonstruktion, die um 1100 - 1200 entstanden ist. Der Straße links des Serchios folgend, biegen Sie dann in Gallicano links ab (auf der gegenüberliegenden Seite liegt das interessante Städtchen Barga) in Richtung Fornovolasco, einem sehr schönen Gebirgsort, der Ausgangspunkt zu zahlreichen Bergtouren ist. Im Hintergrund erhebt sich der 1815 m hohe Gipfel des Pania della Croce. Von Fornovolasco bis zur Windhöhle sind es noch ca 2 km.Wenn Sie von der Meerseite her über die Apuanischen Alpen zur Windhöhle gelangen wollen, so ist der Weg über Massa durch das Tunnel Galleria del Monte Pelato zu empfehlen. Eine Fahrt, die gleichzeitig einen Eindruck vom Umfang der Marmorvorkommen im Gebiet Massa - Carrara vermittelt, aber auch ein beispielhaftes Bild der in der Toskana so einzigartigen geographischen Synthese von Meer - und Gebirgslandschaft zeichnet.
Hinweise: - Die Route über Massa ist kurvenreich auf sehr gut ausgebauter Straße. Ab Gallicano ist die Straße enger und ebenfalls kurvenreich. Scheuen Sie nicht Ihre Hupe vor unübersichtlichen und engen Kurven zu benutzen, bzw. einem Hupsignal als Antwort gegenzuhupen. Hier ist die Hupe kein Schreckmittel zur Einschüchterung, sondern in den meisten Fällen Mittel zum Verständigung (gleiches gilt für die Lichthupe).
Lassen Sie sich nicht vom warmen Wetter beeindrucken: Jacke und Hose sollten Sie sich zur 1- stündigen Führung mitnehmen. Die Temperatur in der Höhle ist das ganze Jahr hindurch konstant: 10,7 Grad!Sonntags ist vor allem bei schönem Wetter mit großem Besucherandrang zu rechnen. Suchen Sie sich einen Wochentag aus.
Haben Sie zudem vor irgendwo in der (noch) billigen Garfagnana essen zu gehen, dann meiden Sie auch den Montag, an dem "Trattorie" und "Ristoranti“ oftmals Ruhetag haben (Ein Paar Tips: "trota" = Forelle aus der Garfagnana ... ; aber auch "farro“ ein Dinkelgericht; jegliche Art an Pilzgerichten, Pilze = "funghi", mit Pilzen = "ai funghi; im Spätherbst jegliche Art von Kastanienmehlgerichten - hauptsächlich als Dessert, z.Bsp. "torta di castagne, castagnaccio"; außerdem „pecorino" = Schafskäse; „nocino = Walnuß-liqueur; es ist keine Seltenheit hausgemachte Nudeln = "pasta" zu bekommen; sehr zu empfehlen „taglierini“ etc. etc... ). Die Garfagnana ist, im Vergleich zu anderen Gebieten der Toskana, als gastronomisch preisgünstig einzustufen (grundsätzlich gilt: je weiter nach hinten ins Tal, umso billiger). Üblich ist, daß der Ober seinen Gästen die Speisekarte mündlich mitteilt. Lassen Sie sich von Empfehlungen leiten, auch wenn Sie nicht immer verstehen, was man Ihnen servieren wird ....
2) Eine Gebirgswanderung auf den Pania della Croce (1815 m). Gehzeit: 5-6 Std.
Körperlich gute Kondition ist Voraussetzung!
Für den Anfahrtsweg bis Gallicano siehe Beschreibung zuvor. In Gallicano abbiegen nach Molazzana. Den Hinweisschildern "Rifugio E., Rossi" (Hütte auf dem Weg zum Pania della Croce) folgen. Über Molazzana hinaus geht die asphaltierte Straße in einem bewaldeten Abschnitt in eine Naturstraße über, welche auch mit dem Auto relativ gut zu befahren ist. Am Ende dieses Waldweges angelangt, befinden Sie sich am Ablaufpunkt zum Pania della Croce. Folgen Sie dem Waldpfad mit den roten Markierungen des CAI (ital. Alpenverein). Bei normaler, nicht zu strenger Gehweise erreichen Sie nach ca. 1 ¼ Stunde die Waldgrenze und gelangen nach einer weiteren 3/4 Stunde, dem Pfad folgend, über Gebirgswiesen bis zur Hütte "Rifugio E.Rossi ", die in der Sommersaison am Wochenende stets bewirtschaftet ist. Von dort aus wandern Sie erneut in einer ½ Stunde bis zum Gipfel des Pania della Croce. Der letzte Teil ist steinig. Von der Hütte aus weitergehend, führt der Pfad zunächst in eine leichte Senke, um sich dann vor dem letzten Anstieg zu gabeln. Nehmen Sie den rechten (!) Pfad, der durch ein Geröllfeld am rechten Hang hinauf zum Gipfel führt.Bei schönem Wetter und guter Sicht bietet sich Ihnen ein einmaliges Panorama: die Apuanische Alpenkette und im Hintergrund die Gebirgsbögen des Apennin mit Gipfeln bis 2300 m, im Vordergrund das Mittelmeer mit den toskanischen und ligurischen Inseln, Korsika, ja ab und zu sogar Sardinien ...
3) Ein Besuch der mittelalterlichen Städtchen Barga und Castelnuovo di Garfagnana.
Barga zählt 11 000 Einwohner und ist ein gewerbereiches Städtchen, das noch einen guten Teil seines mittelalterlichen Charakters erhalten hat. Romantische Gassen durchziehen steil den teils noch von der alten Stadtmauer begrenzten historischen Kern. Seit dem letzten Jahrhundert sind es vor allem Engländer, welche diesen Ort als Urlaubsdomizil wählen, nicht zuletzt aufgrund der auch im Hochsommer sehr erfrischenden, grünen Umgebung. An der höchsten Stelle erhebt sich ein interessanter, dreischiffiger Dombau. Er überrascht jedoch nicht durch seine Größe, im Gegenteil, eher durch seine "Handlichkeit“. Mit dem Bau des S. Cristoforo wurde schon im 9. Jhdt, begonnen, vollendet wurde er allerdings erst im 15.Jhdt. 1920 ereignete sich ein schweres Erdbeben in der Garfagnana, welches erhebliche Schäden auch an der Bausubstanz des Domes verursachte. Im Jahre 1927 wurden daher wichtige Restaurations-arbeiten zum Erhalt des Domes begonnen, die bis zum Jahr 1939 andauerten. Unter anderem wurde die Eingangsseite Stein um Stein abgetragen und nach vorheriger Numerierung der Steine ebenso sorgfältig wieder aufgebaut.Sehenswert im Innern unter anderem die Marmorkanzel aus dem 13.Jhdt. (wahrscheinlich von Guido Bigarelli aus Como), sowie in einer Nische die große Holzstatue des S. Cristoforo, Schutzpatron von Barga. Letztere entstand wahrscheinlich um das Jahr 1200.Vom Domvorplatz aus genießt man eine herrliche Aussicht auf die Gebirgskette der Apuanischen Alpen. Für Kunstinteressierte ist auch der Besuch der Kirche S. Francesco ein Muß. Arbeiten aus der Schule Della Robbia können hier bewundert werden...und wer sich für italienische Literatur interessiert, kann unweit von Barga, in Castelvecchio Pascoli, das Wohnhaus und die Grabstätte des Dichters Giovanni Pascoli besichtigen. Er lebte hier mit seiner Schwester Maria von 1895 bis 1912.Im Hause sind u. a. Aufzeichnungen, Handschriften-sammlungen und Bücher des Dichters verwahrt.Gastelnuovo di Garfagnana zählt 5500 Einwohner- und ist das eigentliche Zentrum der Garfagnana. Ein ebenso geschäftiges, wie historisch interessantes Städtchen. Es untersteht zwar heute der Kreisstadt Lucca, war aber in der Vergangenheit über Jahrhunderte hinweg, bis zur Einigung Italiens 1860, vom Geschlecht der Estenser verwaltet, d.h. durch die Politik der Städte Ferrara und Modena geprägt. Der Vergangenheit nach also keine typisch toskanische Stadt, die sich immer wieder gegen andere Herrschaftsansprüche wehren mußte. Davon zeugt noch heute die Rocca (Burg), in welcher u.a. der Literat Ariost (Ludovico Ariosto) von 1522 bis 1525 als Gouverneur der Garfagnana seine Verwaltungsarbeit für das Haus Este erledigte.Auch Castelnuovo besitzt einen sehenswerten Dombau, der Ende des 15. Jhdts. neu errichtet wurde. Im Innern bietet sich dem kunstliebenden Besucher erneut die Gelegenheit eine sehr schöne Terrakottagruppe außergewöhnliche Glastechnik) aus der Schule der Della Robbia zu bewundern.Die Bevölkerung der Garfagnana strömt an jedem Donnerstag in die Stadt, dem traditionellen Markttag (bis 13.00 h). Einkaufsmöglichkeiten bieten zudem die kleinen Läden im Altstadtkern.Von Castelnuovo aus sind Wandermöglichkeiten, durch Wälder und auf alten Haultierpfaden, zu den umliegenden Ortschaften gegeben: nach Gragnanella, Rontano, Stazzana, Pallerosso, Antisciana oder Cerretoli... und wer Gebirgspanorama liebt, fährt nach S.Pellegrino Alpe (1524 m.ü.d.M.), je nach Fahrstrecke ca. 20 - 30 km von Castelnuovo entfernt: ein Luftkurort im Kleinen, der außer Hotel, Restaurant und Bar, sogar ein kleines Heimatmuseum vorzuzeigen hat.Ein Ausflug nach Barga und Castelnuovo kann sehr gut von Lucca aus, aber auch von der Versilia-Küste her kommend, unternommen werden, bzw. in diese Richtung fortgesetzt werden.
Die Verbindung Castelnuovo- Massa bietet sich an und garantiert ein kontrastreiches Tagesprogramm (vgl. Wegbeschreibung Windhöhle).



